Sorteninformation für Landwirte, Verarbeiter und Vermarkter

Projektverantwortliche: Peter Kunz, Markus Johann, Amadeus Zschunke

 

Ausgangslage und Zielsetzungen

Die Bio-Landwirtschaft braucht eigene, angepasste Sorten, um von den grossen konventionellen Züchterfirmen unabhängig zu werden. Das ist unterdessen von allen Anbauverbänden erkannt worden und es laufen Bestrebungen, das Thema ökologische Züchtung in die Verbandsarbeit zu integrieren und zu fördern.
Die GZPK hat ihre Informationsarbeit systematisch ausgebaut durch:

  • eine flächendeckende Versorgung der Anbauversuche (zB. ÖKO-Landessortenversuche) mit neuen BioSorten,
  • Abgabe von Versuchssaatgut in ganz Europa,
  • fachspezifische Informationsveranstaltungen für Partner über die gesamte Wertschöpfungskette,
  • Unterstützung der Partner bei der Sortenwahl und bei Qualitätsuntersuchungen (Q-Monitoring),
  • Koordination von Vermehrung und Anbau von Brotgetreide für Pilotprojekte bei Verarbeitungsbetrieben

Ergebnisse aus dem Jahr 2013

Die Aktivitäten zeigen sichtbaren Erfolg: die biodynamisch gezüchteten Sorten stehen in Süddeutschland auf 30% der Öko-Weizenfläche, in der Schweiz auf rund 55%. Die zuverlässigen, weit überdurchschnittlichen Qualitätseigenschaften fallen sind dafür stärker ins Gewicht als agronomische „Mängel" bei einzelnen Sorten. Beispielsweise zeigten die Sorten Wiwa und Scaro unter den extremen Bedingungen 2012 mehr Auswinterungsschäden als Butaro. Dennoch blieb die Nachfrage nach Saatgut bei Wiwa und Scaro unverändert hoch.
Diese GZPK-Sorteninformationsaktivitäten kommen allen biodynamischen Züchtern gleichermassen zugute. Mit der starken Verbreitung der Sorten in Deutschland nimmt auch der Nachbau zu. (In der Schweiz existiert dieses Problem nicht). Weil biodynamischen Getreidezüchter nicht mit der Saatgut-Treuhand zusammenarbeiten, entgeht ihnen jährlich etwa die drei- bis vierfache Summe der Züchterlizenzen, also ca. 400-500‘000 Euro. Diese Finanzmittel bräuchten die Züchter dringend für die Entwicklung der nächsten Sorten-Generation. Eine solidarische Regelung des Nachbaus bei den BioSorten könnte eine Aufgabe der Öko-Anbauverbände sein! Verschiedene Vorschläge, wie dies gelöst werden könnte, liegen auf dem Tisch und können zügig ausdiskutiert und in konkrete Massnahmen umgesetzt wer- den. Die Situation ist nicht nur aus der Sicht der BioZüchter dringend: Zurzeit streben die grossen deutschen Züchterhäuser gemeinsam eine flächendeckende Versorgung der Landwirte mit Hybridsorten bei Weizen, Gerste und Triticale an, um das Nachbauproblem auf ihre Weise zu lösen. Da Hybridsorten nicht nachbaufähig sind, erübrigt sich die Diskussion.
Das Pilotprojekt zur Koordination von Vermehrung und Anbau von Brotgetreide für einen grossen Verarbeitungsbetrieb war nicht erfolgreich weil der Betrieb in akute Liquiditätsprobleme geriet und die Vereinbarungen nicht einhalten konnte.

Arbeitsschritte und Ziele für 2014

  • Fortführung aller bisherigen Aktivitäten. Die Vermehrungsflächen müssen weiter ansteigen damit die Vorstufensaatgutproduktion kostendeckend wird.
  • Konzentration auf die Zusammenarbeit mit den Verbänden BIOLAND und DEMETER: Gemeinsamer Auftritt
    der BioZüchter an der Biofach Nürnberg.
  • Verstärkte Zusammenarbeit mit der Bäckervereinigung: Die Bäcker, Zeit für Geschmack e.V.die-baecker.org
  • Pilotprojekte mit Verarbeitern, um deren verstärktes Engagement zu erreichen. Bisher liegt die Finanzierung
    der Züchtung hauptsächlich bei der Landwirten, sowie bei den Förderstiftungen und privaten Spendern. Die Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe als direkte Nutzniesser der neuen Sorten mit verbesserter Verarbeitbarkeit durch höhere Klebergehalte und höheres Wasseraufnahmevermögen haben sich bisher nur ganz vereinzelt zu einer substanziellen Unterstützung der BioZüchtung entschliessen können.