Prebreeding - Züchtungsforschung

Projektverantwortliche: Cora Schibli, Benedikt Haug

Abstract

Triticale, ein Kreuzung zwischen Hartweizen und Roggen, ist eine neue Getreideart, an der seit etwa 60 Jahren intensiv gearbeitet wird. Ziel war zunächst die Verbindung der Robustheit des Roggens mit der Ertragsleistung des Weizens. Als Zuchtziel streben wir eine breite Palette von Sorten, sowohl für den Futterbau, wie auch für Brotgetreide an, die sich für den biologischen Landbau, aber auch für die extensive, konventionelle Landwirtschaft eignen. Mit Übernahme des 2011 eingestellten staatlichen ACW-Zuchtprogramms ist Triticale in der GZPK zu einem grossen Projekt herangewachsen. Die Zusammenlegung der beiden Zuchtprogramme wird 2014 abgeschlossen. Die angestrebten Sortentypen sind:

  • Langstrohige, standfeste Typen, da der Strohertrag für Biobetriebe wichtig ist
  • Mittellange Typen mit hohem Ertragspotential für den intensiven Anbau
  • Frühreife- und Wechseltypen.

Ergebnisse aus dem Jahr 2014

Ähnlich wie im Weizen war der Gelbrostbefall sehr stark, so dass mehrere fortgeschrittene Stämme ausgeschieden werden mussten. Die Mehrzahl erwies sich als resistent und dient als Ausgangsmaterial für neue Kreuzungen. Die Ernte wurde von viel Auswuchs am stehenden Getreide begleitet, eine Eigenschaft, die weiter verbessert werden muss, besonders dann, wenn Triticale in Zukunft auch ein Brotgetreide werden soll.

Zwei Sorten konnten wie geplant neu angemeldet werden. GMVIC.16, ertragreich und gesund, sowie MPP.12, eher kurz, mit höherem Proteingehalt und sehr guter Blattgesundheit. Die frühreife Sorte ARTI.8 wird dieses Jahr nochmals im Krankheitstest geprüft. Drei Kandidaten stehen im Screening der Delley Samen AG, welche im Bereich der Vorstufenvermehrung tätig ist. Vier Stämme stehen in Prüfungsnetzen in Frankreich.

Mit dieser Aussaat ist das GZPK-Triticaleprogramm vollständig mit dem „geerbten“ ACW-Programm zusammengelegt worden. Es steht nun komplett auf biodynamisch bewirtschafteten Standorten. 16 ex-ACW-Zuchtstämme sind bereits in der internen Leistungsprüfung und aussichtsreiche ACW-Stämme wurden mit eigenen verkreuzt. Um Krankheiten wie Braunrost genauer beobachten zu können, wurden die Einzelähren und die Erhaltungszüchtung dieses Jahr am Standort Rheinau ausgesät. Für die Züchtung ist es wichtig den Triticale-Anteil und die Inhaltstoffe der Futtermischungen zu kennen. Ein Austausch mit dem grössten Biofuttermittelproduzenten fand bereits statt. Die Zusammenarbeit mit Futtermittellabors und mit der ACW im Bereich Laboruntersuchungen ist im Aufbau. Für Januar 2015 sind erste Analysen der Viskosität geplant.

Am Triticale-Feldtag der GZPK am 20. Juni wurde das Projekt den wichtigsten schweizer Triticale-Akteuren präsentiert und wichtige neue Kontakte geknüpft.

Das Triticale-Brotprojekt fand grossen Anklang. Eine Demeter-Bäckerei hat den ersten „Prototypen“ für ein Triticale-Brot entwickelt, der im Sommer beim 30-Jahr-Jubiläum der GZPK präsentiert wurde. Leider war die diesjährige Ernte wegen starkem Auswuchs nicht backfähig. Für die Ernte 2015 produziert ein Landwirt Brot-Triticale von unserer Nischensorte MP2.53. Das Projekt ist gut angelaufen, so dass die Züchtung in Richtung Brotgetreide weitergeführt werden kann.

Arbeitsschritte und Ziele für 2015

Grundsätzlich wird auf ein breites Angebot von Sorten gesetzt, die den verschiedenen Ansprüchen genügen sollen. Langfristiges Ziel ist die jährliche Anmeldung von ein bis zwei Sortenkandidaten. Mit Futtermühlen, die an Biotriticale interessiert sind, wird die Zusammenarbeit weiter ausgebaut. In Richtung Viskosität und Stärkeverdaulichkeit werden die Analysen ausgeweitet. Eine hohe Viskosität führt zum Aufquellen des Futterbreis im Magen der Tiere und kann – vor allem bei Geflügel - zu einem verstärkten Wasserkonsum, Durchfall und geringerer Futterverwertung führen. Da die Eigenschaft stark erblich bedingt ist, sollte die Züchtung von Sorten mit geringerer Viskosität möglich sein. Im Weiteren wird der Strohertrag ausgewählter Sorten erhoben. Auch Untersuchungen zur Saugfähigkeit (Einstreue) und zum C/N Verhältnis des Strohs sind geplant. Das Brotprojektes wird weiter vorangetrieben und die Ausweitung auf weitere Beteiligte unterstützt. Zusätzlich soll ein Arbeitskreis aus interessierten Beteiligten der Triticale-Wertschöpfungskette (Forschung-Anbau-Verarbeitung-Vertrieb) ins Leben gerufen werden.