Top-Sortenentwicklung, N-effizientere Sorten, interne Sortenprüfung

Projektverantwortliche: Peter Kunz, Nicole Bischofberger, Michael Locher

Abstract

Die Entwicklung von Qualitätsweizensorten ist sehr arbeits- und kostenintensiv, denn Ertragsleistung und Qualität sind meistens stark negativ korreliert. Mit der Einschränkung der schweizerischen Bio-Sortenempfehlung auf TOP-Sorten erhöht sich der Arbeitsaufwand für die Entwicklung neuer Sorten auf allen Züchtungsstufen. Zur Verbesserung der Selektion in frühen Generationen müssen die bisher angewandten Labormethoden, (Klebergehalt, Kleberindex, Zelenywert, Farinogramm mit 4g Mehl) voraussichtlich noch weiter ergänzt werden. Vor allem sind zusätzliche Investitionen in die Analytik der technologischen Eigenschaften für die Bestimmung von Teigelastizität und Verarbeitungstoleranz an kleinen Probemengen erforderlich. Da die bisher verfügbaren Resultate dieser Analysemethoden nicht wirklich belastbar sind, wurde die Investitionsentscheidung vertagt.

Ergebnisse aus dem Jahr 2014

Das Getreidejahr war geprägt durch günstige Saatbedingungen im Herbst 2013, einen sehr milden Winter in ganz Europa, ein wechselhaft feuchtes Frühjahr und extreme Nässe zur Erntezeit im Sommer. Durch die mild-feuchte Witterung breitete sich in Westeuropa und vor allem im nördlichen Teil der Schweiz eine extrem starke Gelbrost-Epidemie aus, die anfällige Sorten meistens komplett zerstörte. Auf allen Zuchtstufen konnten anfällige Stämme leicht ausselektiert und resistente ausgemacht werden. Zwei unserer Sorten in der offiziellen Prüfung wurden aufgrund zu hoher Gelbrostanfälligkeit zurückgezogen.

An einer Krankheitsepidemie wie dieser zeigt sich einmal mehr die hohe Bedeutung der Züchtung, die mit neuen Sorten auf Veränderungen der Umwelt reagieren kann. Insgesamt waren die Prüfergebnisse der internen Leistungsprüfungen aufgrund der extremen Witterungsbedingungen sehr unsicher, sodass das nächste Jahr abgewartet werden muss, bevor neue Sortenkandidaten angemeldet werden. Dank der kurz anhaltenden, trocken-warmen Witterung Ende Mai und anfangs Juni konnten die Kreuzungs-arbeiten unter optimalen Bedingungen durchgeführt werden. Dies resultierte in einer hohen Anzahl von Kreuzungskörnern für die F1-Generation.

Die Sorte A7T.9 hat dieses Jahr die zweijährige offizielle Sortenprüfung zur Zulassung abgeschlossen, sie wird aufgrund ihrer hervorragenden Resistenz gegenüber Gelbrost in Frankreich weitergeprüft. Der Kandidat APW.1110 hat wiederum sehr gute Ergebnisse gezeigt, sodass eine erste Vermehrung angelegt werden kann. ARIST.3391 hat ebenfalls gute Resultate gezeigt und wird weiterverfolgt. Die Sorte Pizza steht nach einem erfolgreichen Jahr in den FiBL-Praxisversuchen vor dem Sprung in die empfehlende Bio-Sortenliste.

Generell waren die diesjährigen Qualitätsparameter im Vergleich zum Vorjahr wie z.B. Proteingehalt, Klebergehalt und Fallzahl tendenziell niedriger. Insbesondere die feuchten Erntebedingungen begünstigten das Auftreten von Auswuchs. Die dadurch erhöhte Enzymaktivität hat einen bedeutenden Einfluss auf den Backprozess. Von Auswuchs betroffenes Brotgetreide muss zu Futtergetreide deklassiert werden. Unsere etablierten Sorten Wiwa und Scaro konnten sich in dieser Saison durch ihre Auswuchsresistenz und Ertragsstabilität behaupten und geniessen deshalb grosse Beliebtheit bei den Landwirten.

Arbeitsschritte und Ziele für 2015

Trotz der sehr hohen technologischen Qualitätsanforderungen und der negativen Korrelation zwischen Ertrag und Qualität (1% Feuchtkleber kostet 5% Ertrag!) suchen wir nach ertragsstarken Typen, die mit den limitierten Stickstoffmengen im Bioanbau umgehen können. Das Ziel ist, jährlich mindestens einen neuen Sortenkandidaten in die Bioprüfung, bzw. in die offiziellen Prüfungen zu bringen.

Stickstoffeffiziente Sorten

Wir selektieren auf qualitativ höherwertige Proteine, so dass bei geringerem Gesamtproteingehalt ähnlich hohe oder die gleichen Backvolumina wie bei Top-Sorten erreicht werden. Aktuell werden vier aussichtsreiche Sortenkandidaten in einem auswärtigen Backlabor geprüft, weil die Laboranalysen nur eine Annäherung an die effektive Backfähigkeit ermöglichen.