Ansprache von Ueli Hurter (Aubier)

Unabhängiges Unternehmertum

Lieber Peter
Deine Initiative ist heute 25 Jahre alt.
Diese Initiative hat viele Seiten, eine persönliche, eine forscherische, eine agronomische, eine anthroposophische…, heute möchte ich die Getreidezüchtung Peter Kunz (GZPK) als Unternehmen, und Dich Peter als Unternehmer ansprechen. Damit das Sinn macht, müssen wir den Begriff des Unternehmers neu fassen. Denn ich meine ja nicht das historische Bild des Unter-nehmers, der zigarrenrauchende Patron, der auf die Mehrung seines Kapitals bedacht ist. Ich meine auch nicht den agil-agressiven Young-Business-Man, der über ein „spin-off“ oder ein „start-up“ Unternehmen versucht, seine studentische Erfindung am Markt in klingende Münze umzusetzen.

Ein Unternehmer ist für mich einer, der Werte schafft. Werte: Bleibende Werte, zukünftige Werte, Werte mit Substanz, mit kulturellem Niveau, Werte die für viele Menschen wichtig werden. Schaffen: Das heisst arbei-ten. Am Anfang ist nichts, vielleicht der Funke einer Idee. Diese muss geschöpft werden, muss inkarniert werden durch jahrelange stetige Arbeit. Einer der jeden Morgen sich anschickt, Werte zu schaffen, die sonst nicht da wären, der die Zukunft hereinbildet in die Gegenwart, die nach dem Neuen ja nicht fragt, sondern sich als Ergebnis der Vergangenheit versteht, ist ein Unternehmer.

In diesem Sinne bist Du, Peter, ein Unternehmer. Wer hat vor 25 Jahren die Vision einer privaten Getreidezüchtungsfirma in der Schweiz gehabt? Niemand ausser Peter. Heute, wo der Staat sich schrittweise aus der Züchtung zurückzieht, ist die GZPK da.

Wer hat vor 25 Jahren das Postulat aufgestellt, es braucht andere Sorten für den Biolandbau? Niemand ausser Peter. Heute sind die Sorten da.

“Wer hat vor 25 Jahren den Mut gehabt, die biodyna-mischen und anthroposophischen Ideen züchterisch fruchtbar zu machen? Auch Peter. Er war nicht der einzige und auch nicht der erste, aber er hat die Kreuzungszucht bei den Getreiden entschieden in die Hand genommen. Heute ist das geisteswissenschaftliche Arbeitsfeld der wesensgemässen Pflanzenzucht im Hinblick auf die richtige Ernährung für den modernen Menschen erschlossen. Diese geschaffenen Werte sind die Frucht von 25 Jahren unermüdlichen unternehmerischen Arbeitens.”
Etwas vom Wichtigsten für einen Unternehmer ist seine Unabhängigkeit, einerseits in geistiger und andererseits in materieller Hinsicht. Peter ist geistig unabhängig. Das heisst nicht, dass er stur seine Ideen verfolgt. Peter pflegt ein dichtes Netzwerk, er ist dauernd unterwegs, um den Austausch zu pflegen, er sucht in jeder Situation das Erkenntnisgespräch. Das Aufgenommene wird dann in sauberer Gedanken- und Wahrnehmungsarbeit in die Unabhängigkeit des Unternehmers verwandelt.

Die GZPK und Peter sind materiell unabhängig. Dabei könnte die Abhängigkeit total sein. Denn am Anfang war überhaupt kein Geld da. Heute sind viele Spender, Sponsoren, Geldgeber mit der GZPK verbunden. Peter wandelt das zum beiderseitigen Gewinn in Unabhängigkeit um. Nie hätte ich einen Antrag an einen poten-tiellen Geldgeber gesehen, wo irgendwie die Geste der hohlen Hand oder des krummen Rückens ersichtlich wäre. Immer ist die Haltung: Wir schaffen diese Werte, dazu können sie beitragen.

Das 25 jährige Jubiläum ist ja kein Endpunkt, Peter und die GZPK werden weiterhin in unabhängiger unternehmerischer Art Werte schaffen. Die Fokussierung liegt ganz auf der Pflanzenzüchtung. Innerhalb dieser ist das Spektrum der Arbeitsfelder enorm weit.

An einem Pol liegt die ganz konkrete Züchtung von neuen Sorten. Nach der einmaligen Kreuzung folgt ein jahrelanger Selektionsprozess. Jeder von uns kennt die meterlangen Exceltabellen von Peter, wo alle Daten für jede Linie akribisch eingetragen werden.

Und jeder, der schon mit Peter im Versuch gestanden hat weiss, dass die Kreuzungsgeschichte und die Selektionsschritte für mehrere hundert Linien alle gegenwärtig sind. Und trotzdem ist das Zuchtziel für Peter – auf jeden Fall erlebe ich das so – die Pflanze über die Sortenbildung nicht zu definieren, sondern zu öffnen.

Denn die Pflanze ist ja nicht genetisch determiniert, sondern sie ist aus dem Vererbungsstrom heraus disponiert. Rudolf Steiner schildert das im Landwirt-schaftlichen Kurs. Die irdische Herkunft disponiert die Pflanze so, dass sie im Moment der Samenbildung – wo sie sich ganz dem Kosmos öffnet – diesen für jede Generation ganz frischen, neuen geistigen Impuls richtig ins Irdische umsetzen kann.

Ich glaube, die Sorten der GZPK sind daraufhin veran-lagt, diesen Öffnungsmoment voll und ganz zu leben, um ihn dann in ihren irdischen Pflanzenleib integrieren zu können. Das ist die Qualität der GZPK-Sorten.

Wir – Bauern, Verarbeiter, Konsumenten – hoffen in Zukunft auf viele neue Sorten mit diesen Qualitäten.

Am anderen Pol ist die schöpferische Arbeit am Ver-ständnis der Pflanze und des Verhältnisses von Pflanze und Mensch. Jeder von uns weiss aus Gesprächen mit Peter, dass es ihm ein innerstes Anliegen ist, auf diesem Felde in immer grössere Tiefen vorzustossen.

Die Pflanzen sind eine Gabe des Himmels, sie sind Kinder der Sonne. Rudolf Steiner schildert, wie die ursprünglichen Pflanzen aus dem Kosmos auf die Erde „hereingegrünt“ sind. Die Erde hat sie angenommen.

Die Pflanze wurzelt im Boden. Sie verbindet Himmel und Erde. Der fruchtbare Oberboden wird durch die Pflanzen geschaffen. Die Erde lebt durch die Pflanzen. Und dadurch wird es auch uns Menschen möglich, auf der Erde zu leben. Wir verdanken den Pflanzen und der ganzen Natur unsere irdische Existenz. Diese wiederum ist die Grundlage unserer Freiheit.

Was machen wir jetzt als freie Menschen, wenn wir uns dieser Natur bearbeitend, züchtend wieder zuwenden? Manipulieren wir oder kultivieren wir? Wir stehen an diesem Punkt in einer riesengrossen Verantwortung als freie Menschen der Erdennatur gegenüber.

Peter, als tätiger Züchter, als mutiger Unternehmer ist sich dieser Verantwortung voll bewusst. Und das heisst für ihn nicht „Hände weg von der Schöpfung“, sondern schöpferisch aus der Verantwortung durch Züchtung die Pflanzen so zu kultivieren, dass sie über ihre Naturhaftigkeit hinaus zu Nahrungspflanzen für uns Menschen werden können und dadurch ihre eigentli-che Bestimmung finden.

Ich habe die beiden Pole, die Sortenzüchtung und das Partnerschaftsverhältnis Pflanze – Mensch herausgegriffen, um die Spannbreite der Werte, die in der GZPK bearbeitet werden, zu veranschaulichen.

Dass über diesem Unternehmen auch in Zukunft ein guter Stern steht, wünschen wir Dir Peter, wünschen wir der GZPK und wünschen wir uns allen.

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