Laudatio von Urs Niggli, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Norman Ernest Borlaug, der 1970 als Vater der Grünen Revolution den Nobel-Preis erhielt, hat mit seinen züchterischen Anstrengungen mit Weizen und Mais in Mexiko, Pakistan und Indien sowie in weiteren Ländern Lateinamerikas, Afrika und Asien die Pflanzenzüchtung zur wichtigsten Strategie des Fortschrittes in der Landwirtschaft und zu einem probaten Mittel gegen die Unterernährung gemacht. Um das genetische Potential der Superzüchtungen ausnutzen zu können, waren die die Bauern aber gezwungen, in grösserem Masse mineralische Dünger, Stickstoff, Wasser und Pflanzenschutzmittel anzuwenden. Die positiven Folgen der Grünen Revolution wurden durch die negativen überschattet: Gewässer wurden verschmutzt, die biologische Vielfalt gefährdet, die Gesundheit der Bauernfamilien bedroht und der Boden verlor den Humus. In Indien zum Beispiel haben die meisten Äcker noch 0.1 bis 0.2 % Humus, ein Zehntel oder Zwanzigstel dessen, was ein fruchtbarer Boden im Minimum haben sollte.

Heute leiden eine Milliarde Menschen an Unterernährung – mehr Menschen denn je. Und wieder sprechen die Wissenschafter und Politiker von einer Grünen Revolution, die zweite, die nötig ist, um das Problem zu lösen. Dabei wird alle Hoffnung in die Gentechnik gesteckt. Mit ihrer Hilfe will man die natürlichen Grenzen, welche weitere Ertragssteigerungen verhindern, überwinden. So faszinierend diese Möglichkeiten sind, so trügerisch sind sie auch. Wiederum besteht die Gefahr, dass einseitig Ertragsmaximierung betrieben wird und dass unsere Ökosysteme ein weiteres Mal auf der Strecke bleiben. „Ertragssteigerung ohne eine starke Einbettung in ökologische Systeme ist Selbstmord“ sagte letzten Montag der Stellvertretende Generaldirektor der FAO, Alexander Müller, an einer Sitzung in Rom. „Als Politiker sollte man nicht zweimal den gleichen Fehler machen“ kommentierte der ehemalige Landwirtschaftskommissär Franz Fischler am letzten Donnerstag bei seiner Rede an der Bioakademie im tschechischen Lednice die Euphorie der Biotechnologie-Industrie.

Der langen Einleitung kurzer Sinn: Die Pflanzenzüchtung wird auch in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen. Aber wir brauchen züchterische Arbeiten, welche in nachhaltige Systeme wie den Biolandbau eingebettet sind. So erreichen wir Qualitäts- und Ertragssteigerungen, welche keine negativen ökologischen Auswirkungen haben. Die Pflanzen „lernen“ dabei, mit vielen verschiedenen Umweltbedingungen klar zu kommen und werden sehr anpassungsfähig. Die Bauernfamilien haben sich z.B. über Jahrtausende von Jahren mit ihrer züchterischen Arbeit an den Klimawandel und an viele ökonomische und soziale Veränderungen erfolgreich angepasst. Diese Fähigkeit müssen wir der Landwirtschaft zurückgeben und dafür brauchen wir unzählige Züchterpersönlichkeiten wie Peter Kunz. Viele kleinere und mittlere Züchter-Initiativen sichern das Überleben der Menschheit, nicht die grossen Saatgut-Monopolisten.

Ich habe Peter Kunz vor 30 Jahren am Reckenholz, heute ART, kennengelernt. Wir waren beide Zauberlehrlinge der Herbizidforschung. Beide haben wir heute etwas erreicht, das wir uns damals wohl selber nicht zugetraut hätten. Die Leistung von Peter, ein so grosses Züchtungsprogramm mit wenig Geldmitteln und Infrastruktur innerhalb von 25 Jahren aufzubauen und so viele Leute für seine Sache zu begeistern, ist eine gewaltige. Ganz herzlichen Dank Peter, für diese Pionierarbeit. Es ist nicht nur von lokaler Bedeutung!

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