Rede von Esther Hildebrand, Kantonsratspräsidentin ZH

Meine sehr verehrten Damen und Herren

Liebe Freunde einer Pflanzen – und ernährungsgerechten Landwirtschaft

Im 2006 habe ich mit meinem Partner ein Flarzhaus aus dem Jahre 1846 baubiologisch umgebaut.

Wir haben das Material verwendet, das vor unserer Haustüre vorkommt – Holz, Stein, Lehm, Schafwolle. In diesem Haus hat es – wie bei Ihnen allen – eine Küche, in der ich fürs Leben gern stehe und koche.

Denn Kochen ist nicht nur das Verarbeiten von Lebensmitteln, es ist das Verwandeln von Lebensmitteln in Genuss und Wohlbefinden. Beim Kochen zählen Ideenreichtum, Einzigartigkeit und der Respekt gegenüber den Produkten und den Gästen. Bei Produkten, die ich als Köchin und Konsumentin verwende ist mir wichtig: Produkte müssen von unserem Boden aus der CH und Produkte einer vielfältigen Kulturlandschaft stammen.

80% von dem, was ich einkaufe, trägt das Label Bio-Knospe, stammt aus dem Garten meines Vaters (der nur Saatgut aus der Küche von Peter Kunz verwendet) und fallweise kann auch ich einer Max-Havelaar-Banane nicht widerstehen.

Voraussetzung dazu, dass ich meinen Einkaufskorb überhaupt so füllen kann, sind nicht nur die Biobauern – es braucht eben zentral auch die Basiszucht von Pflanzensorten und Nutztierrassen! Es braucht also Peter Kunz und sein Team.

Seit Jahren beobachte ich, manchmal aus der Ferne, dann wieder aus der Nähe, die erfolgreichen Initiativen zur Züchtung von neuen Getreide- und Nutzpflanzen mit grossem Respekt.
Darum ist es mir ein grosses Bedürfnis Ihnen allen und insbesondere dem Initiator und Hauptträger, für seine Arbeit und Ausdauer im Namen des Kantons zu danken.

Schon als Präsidentin des grossen Gemeinderates von Illnau Effretikon habe ich zusammen mit dem ganzen Parlament während dem offiziellen Ausflug die Saatgutprojekte und Getreidezüchtungsgärten in der Fintan angeschaut. ich benutzte die Gelegenheit einer breiteren Bevölkerung- und insbesondere der SVP-Fraktion – die wichtige Arbeit der biologischen und biodynamischen Getreidezüchtung näher zu bringen.

Langsam aber sicher setzt sich ja, nicht zuletzt auch dank der Diskussionen um die Gentechnologie – ein anderes Pflanzenbild in unserer Gesellschaft durch. Ein Pflanzenbild, dass die Pflanze nicht als ein maschinelles Wesen betrachtet, das dumpf und autistisch auf den Feldern steht- und sein Programm abspult das durch ihre Gene bestimmt ist. Eine Pflanze ist kein industrielles Produktionsmodell. In immer breiteren Kreisen setzt sich die Erkenntnis durch – ein Bild der Pflanze als hochentwickeltes lebendiges Wesen. In einem vielbeachteten Papier der nationalen Ethikkommission des Bundes wurde nun auch der Pflanze in der Schweiz eine gewisse Würde zugesprochen.

D.h. Es ist nun Zeit für eine neue Aera. Aera von einem neuen Umgang mit den Nutzpflanzen. Nutzpflanzen sind ein Teil unseres menschlichen Lebens und Existenz und sichern unsere Existenz.

Es ist der Initiative von Peter Kunz zu verdanken. Dass seit 25 Jahren zuerst im Stillen und nun immer beachteter, eine Arbeit begonnen hat, die von einem zukünftigen Bild der Pflanze geleitet wird. Ein Bild, wo umfassend und respektvoll mit Nahrungspflanzen umgeht.

Ich bin immer wieder tief beeindruckt, dass durch diese Arbeit, nicht nur bekömmlicheres Brot für den Konsumenten, mehr Ertragssicherheit für die Bauern, bessere Anpassung an eine organische Landwirtschaft resultieren, nein es entstehen auch Werte wie Schönheit in der Landwirtschaft.

Wenn man die Arbeit und die Erfolge und vor allem die Resultate der Arbeit der 25 jährigen Arbeit von Peter Kunz beobachtet, kommt man zum Schluss, das hier so erste Schritte in diese Richtung einer wirklichen Partnerschaft stattgefunden hat.

Und dazu möchte ich allen Mitarbeiter der Getreidezüchtung Peter Kunz, aber heute vor allem auch ihm selbst, er wos in seiner hartnäckigen, stillen und immer bescheidenen und unaufgeregten Art, Jahr für Jahr geschafft hat, die Arbeit unbeirrt weiter zu machen. Aber auch all den vielen Spender und Sponsoren, die es durch ihre handfeste Unterstützung dies erst ermöglichten, danken. Ich möchte ihm auch danken im Namen der Konsumentinnen und Konsumenten, der Bäuerinnen und Bauern, und auch im Namen der Politikerinnen und Politiker. Ihre Hartnäckigkeit, Herr Kunz, nehme ich persönlich als Vorbild.
Es braucht Pioniere und Pionierinnen, damit sich die Welt weiter drehen kann…

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